GHG auf hoher See

Reportage - Reportage vom 19.09.2022

Der Beginn

Am 29.8.22 war es soweit. Ein vollgepackter Bus mit Schülern und Schülerinnen der Q2 des Gustav-Heinemann-Gymnasiums mit ihren Lehrer*innen Frau Kahlke-Freier, Herrn. Binder, Herrn. Tiszay, Frau. Brinckmann und Frau. Janicki -Rahmann an Bord brach zur Stufenfahrt des Jahres auf. Die Schüler und Schülerinnen beluden unter Herrn. Tiszays Aufsicht den Bus und der fuhr, begleitet vom Winken etlicher Eltern, los. Genau 150 Meter ging alles gut, dann blieb der Bus liegen. Allgemeine Unruhe kam auf und Tipps aus der Fahrschule(„Kupplung leicht kommen lassen“-Leon Tißler) wurden von mehreren Schülern durch den Bus gerufen. Doch nach einer 10 minütigen Reparatur ging die Fahrt weiter. Das erste Tagesziel war Amsterdam.

 

Amsterdam

Amsterdam. Nicht nur die Hauptstadt der Niederlande , sondern auch eine wunderschöne Stadt, deren Besuch lohnenswert ist.. Eng verzweigte Gassen und Brücken, die durch die Altstadt des „Goldenen Zeitalters“ führen. In kleineren Gruppen hatten wir die Möglichkeit, uns einen Eindruck von der Stadt zu verschaffen und auch einen Blick auf Sehenswürdigkeiten wie das Madame Tussauds , die Grünflächen des Rijksmuseums und den Stadtteil Jordaan zu erhaschen.

Und auch das kulturelle Program durfte auf einer Studienfahrt natürlich nicht fehlen. Der Deutsch-LK und der Mathe-LK besuchten zeitversetzt das Anne-Frank Haus und erfuhren mittels einer kurzen Präsentation einer Museumsmitarbeiterin und einer Audio-Guide geführten Besichtigung des gesamten Hauses eine Menge über das Leben Anne Franks und die Geschichte der niederländischen Juden in Zeiten des Nazi-Regimes. Anschließend konnten wir noch etwas Freizeit in der Stadt verbringen, bis es auf die scheinbar endlose Suche nach dem Englisch-LK ging, bei der zwar Herr Binder kurzzeitig verschwand , die aber nach anfänglichen Orientierungsschwierigkeiten und hitzigen Diskussionen über die Handhabung von Google Maps doch noch ein glückliches Ende nahm.

Zur gleichen Zeit besuchter der Englisch-LK das US-Konsulat. Nach einem strengen Sicherheitscheck bekamen die Schüler eine kurze Führung durch das Konsulatsgebäude und lernten anschließend die Konsulatsdirektorin Kate Nanavatty und ihren Kollegen William Andrews kennen. Im Gespräch mit diesen konnten die Schüler und Schülerinnen vorher vorbereitete Fragen sowohl persönlicher als auch politischer Natur stellen. Nach einem gemeinsamen Foto ging es noch einmal kurz hinaus in die Stadt und anschließend, wiedervereint mit dem Deutsch- und Mathe-LK, auf den Weg Richtung Lemmer, dem ersten Hafen unserer Reise.

Segeln

Angekommen in Lemmer, erfolgte die Bekanntmachung mit den Skippern Otto und Miri, die das Schiff des Deutsch-LKs, die Beantra, steuerten und den Skippern Alex und Sahra, die die Dageraad, das Schiff, das sich Mathe- und Englisch-LK teilten, steuerten. Nach einem vorsorglichen Privateinkauf der Gruppe in den lokalen Supermärkten und einem ersten Abendessen ging es für alle, erschöpft von einem langen Tag unterwegs, ins Bett.

Der zweite Tag

Am Morgen ging es dann endlich los mit der großen Segelfahrt. (Disclaimer: Von hier an beziehen sich die Erzählungen des See-Alltags hauptsächlich auf die Erlebnisse, da der Autor dieses Artikels im Deutsch-LK zugegen ist. Gemeinsame Erlebnisse im Hafen werden sich allerdings auf alle Schüler und Schülerinnen beziehen).

Nach einem ausgewogenen Frühstück führte uns unser Maat Miri in die Geheimnisse der Segelkunst ein. Es wurden Segen gehisst, Taue geknotet, Seile aus- und wieder eingehakt, Segel gewendet und vieles mehr. Otto gab die Ansagen vom Steuer aus, Miri teilte uns Aufgaben zu und gab Befehle. So bekamen wir langsam aber sicher den Bogen raus. Schnell entdeckten wir allerdings auch die gemütlichen Seiten des Segelns. Mit Hilfe der an Bord gelagerten Sitzsäcke legten wir uns fast alle zwischendurch aufs Oberdeck , ließen uns die Sonne ins Gesicht scheinen und hörten stundenlang zu, wie die kleinen Wellen gegen die Wände des Schiffs plätscherten. 

Jeder vertrieb sich seine Zeit anders. Die einen lagen an Deck, die anderen drehten Tik Toks und wieder andere lieferten sich stundenlang hitzige Duelle im Poker oder Wizzard unter Deck. Zwischendurch rief aber auch die Plicht in Gestalt von Miri zum Handeln auf. Alle halbe Stunde mussten die Segel gewendet werden oder irgendetwas anderes an Deck erledigt werden. Der erste Tag war aber alles in allem sehr entspannt und es gab keine weiteren Turbulenzen…….noch nicht.

Den Abend verbrachten wir im Hafen von Texel. Nach einem abenteuerlichen Parkourlauf über andere Schiffe und deren Laufplanken und einem anschließendem Klettern an die Hafenmauer, um an Land zu gelangen, verbrachten wir einen eher ruhigen, allerdings sehr windigen Abend im Hafen. Unsere Mägen hatten sich bis auf die ein- oder andere Ausnahme an den Seegang gewöhnt und so langsam bekamen die meisten von uns richtig Spaß am Segeln.

Der dritte Tag 

Das Tagesziel war Makkum , ein kleiner Hafen am Ijsselmeer, der später von vielen Seiten als der schönste Hafen der Reise beschrieben wurde. Doch die Fahrt dorthin sollte sich für unser Schiff als nicht ganz pannenfrei erweisen. Los ging es für uns schon um 9:30. Die Dageraad mit den anderen LKs an Bord wollte erst gegen Mittag lossegeln, da einige Schüler vor Abfahrt noch eine Fahrradtour über Texel unternehmen wollten. Da die Dageraad auf Grund größerer Segelfläche bedeutend schneller war als die Beantra, sorgte der Gedanken, dass wir noch vor der Dageraad im Hafen seien würden, für allgemeinen Tatendrang. Doch auf der Nordsee Richtung Makkum erlebten wir die raue See, wie wir sie uns vorgestellt hatten. Wellen klatschten über die Reeling an Bord und der Wind riss selbst die größten Schüler fast von den Beinen. Keiner, der an diesem Tag an Deck geholfen hatte, betrat seine Kabine an diesem Tag trockenen Fußes. Seinen Höhepunkt nahm das Schauspiel allerdings, als wir ein lautes Ratschen hörten, dass klang, als hätte man ein Blatt Papier durchgerissen. Doch es war kein Papier, sondern eins unserer Hauptsegel, die sogenannte Fock. Erschrocken sprangen wir auf und holten sofort das Segel ein, das uns dabei wild um die Ohren peitschte. Mit geballter Kraft und mehr oder weniger präzisen Kommandos („Zieht doch endlich, NEIN die anderen, ZIEHT“) holten wir das Fock-Segel ein und verknoteten es fachmännisch, damit es nicht noch mehr Schaden nahm. Auf Nachfrage erfuhren wir dann auch, dass ein Reißen des Segels sehr ungewöhnlich sei. Wir hatten also die volle Segelerfahrung mitgenommen. Mit deutlich verlangsamter Fahrt, windbedingt, aber immer noch ziemlich schnell, setzten wir unsere Fahrt nach Makkum fort. Diese erwies sich als wesentlich aufwändiger und spannender als die Fahrt am Vortag. „WENDE“, schallte es alle paar Minuten übers Deck, die betroffenen Schüler sprangen auf und nach einigen wenigen Misserfolgen wurden wir routinierter und wendeten auf Kommando die Segel. Wir wurden langsam zu waschechten Seefahrern.

So setzte sich die Fahrt noch eine Weile fort, bis wir von der Nordsee ins Ijsselmeer einfuhren und der Wellengang sich deutlich legte. Mittlerweile einigermaßen trocken und um einige Seeerfahrungen reicher, legten wir am frühen Abend im Hafen Makkums an. Dort angekommen, ruhten wir uns erst einmal aus und erkundeten anschließend die kleine, aber sehr schöne Hafenstadt. Die einen zogen los, um sich mit Snacks und Getränken der ein- oder anderen Sorte zu versorgen, die anderen nutzen das abendlich sonnige Wetter und gingen abseits des Hafenbeckens eine Runde schwimmen. Einige Zeit später traf dann schließlich auch die Dageraad ein und alle Schülerinnen und Schüler ließen den Abend bei gutem Wetter ausklingen.

Der vierte Tag

Tagesziel an Tag 4 war die Reise von Makkum nach Urk, einer Hafenstadt mit einem sehr schönen Strand, der abends zu großen Teilen von unserer Stufe in Beschlag genommen wurde. Die Fahrt verlief im Vergleich zum Vortag recht unproblematisch. Bei strahlender Sonne, ruhigem Seegang und einem angenehmen Wind konnten wir alle mit unseren Sitzsäcken die Fahrt an Deck genießen. In dieser Idylle beschwerte sich auch niemand darüber, dass die Segel der Dageraad nach einer Dreiviertelstunde schon längst am Horizont verschwunden waren. Im Gegenteil. Wir freuten uns darüber, diesen traumhaften vorletzten Tag in vollen Zügen auf unserer mittlerweile heimischen Beantra genießen zu können. Auch mit den Skippern Otto und Miri verstanden wir uns mittlerweile sehr gut und wir alle empfanden die Stimmung an Deck als sehr harmonisch. An diesem Tag trauten sich einige von uns auch erstmals auf leichtes Drängen von Frau. Kahlke-Freier, Otto zu fragen, ob wir auch mal das Schiff steuern dürften, um dabei coole Urlaubsfotos zu schießen, die wir dann zuhause vorzeigen konnten. Otto erlaubte es uns, sichtlich amüsiert über die anfängliche Scheu. Nach einiger Zeit gesellte sich auch Herr. Binder zu uns und stellte seine umfangreichen Segelskills nun auch am Steuerrad unter Beweis.

Nach kurzer Einweisung durch Otto lernten wir auch mit den wichtigsten Navigationswerkzeugen den Kurs des Schiffes zu halten und das Schiff sicher ins Ziel zu befördern. Dabei lernten wir vor allem, dass sich das Schiff beim Steuern verhält wie ein „Auto auf Eis“, so Otto. Heil und diesmal auch trockenen Fußen erreichten wir am Nachmittag den Hafen Urks. Kurz vor dem Hafen ging Otto vor Anker und das Schiff hielt vor der Hafeneinfahrt. Dort zogen wir Badesachen an und gingen im Meer schwimmen. Dabei vollführten einige Schüler und Schülerinnen regelrechte Stunts, in dem sie mit Saltos, Kopfsprüngen und anderen Kunststücken von Bord ins Meer hechteten. Wer sich dann noch in einem wahren Kraftakt an Bord zog, konnte von einem lohnenden Schwimmerlebnis sprechen.

Im Hafen angekommen wartete schon die Besatzung der Dageraad auf uns. Otto machte die Beantra an der Dageraad fest und wir verbrachten einen gemeinsamen Grillabend zusammen, bei dem es immer wieder zu hitzigen Diskussionen zwischen den Grillmeistern und den hungrigen Schülern und Lehrer*innen kam.

Anschließend wurde an Bord wieder viel Karten gespielt und ein großer Pulk an Schülern nahm den örtlichen Strand unter die Lupe. Einige hartgesottene Schüler wagten sich auch gegen 23 Uhr noch in das mittlerweile eiskalte Meer hinein, was sich in der nächsten Schulwoche in einer Reihe von stark erkälteten Schülern und Schülerinnen widerspiegelte.

Der fünfte Tag

Tag 5 sah die verhältnismäßig sehr kurze Reise von Urk zurück nach Lemmer vor. Zum letzten Mal verbrachten wir den Tag an Deck und nutzen unsere neu erlernten Segelkenntnisse. Während sich die ein oder anderen schon auf ihr Bett und die heimische Dusche freuten, schwelgten andere in Segelnostalgie und wünschten sich, wir wären noch länger auf See geblieben. Nach einer relativ kurzen Segelfahrt kamen wir wieder in Lemmer, dem Startpunkt unseres Segeltörns an. Koffer wurden an Deck gehievt, hektisch wurden noch die letzten Reiseutensilien in die Koffer gestopft und das Deck wurde „klar Schiff“ gemacht. Wir verabschiedeten uns von den Besatzungsmitgliedern und schossen einzelne und gemeinsame Gruppenfotos auf und vor den Schiffen.

Beim Warten auf den Bus, der sich stark verspätete, tauschten wir noch einmal unsere gemeinsamen Erinnerungen an die Fahrt aus. Nach einer langen und sehr warmen Busfahrt, die von einer kurzen Rast an eine Autobahntankstelle unterbrochen wurde, kamen wir wieder an der Schule an. Dort empfingen uns schon unsere Eltern ,Koffer wurden ausgeladen, Freunde verabschiedet und Pläne fürs Wochenende geschmiedet. Das war das Ende der Kursfahrt.

Abschließend kann man wohl im Namen aller Teilnehmer*innen festhalten, dass die Kursfahrt ein voller Erfolg war. Wir hatten viel Spaß an See und in den Häfen, haben viel Neues gelernt und sind auch innerhalb der Kurse fester zusammengewachsen.

Konstantin Kühn, Q2

Reportagen